Himmel und Hölle – Eindrücke von der ONP 22

Nacktparty Nikolaus 3128-200

 

Extra für die Webseite der „Original NacktParty“ hat uns Anne aus Köln ihre Eindrücke von der „Die Nikoläuse kommen nackt“-ONP (6. bis 7. Dezember 2014) geschickt, die wir mit Dank an sie hier veröffentlichen:

Nikoläuse kommen nackt!

Und es begab sich zu einer Zeit, anno 2014, als die ‚Allerheiligen‘ zur frostigen Jahreszeit wieder einmal ein Rundschreiben schickten, um alle amtierenden Nikoläuse/Innen um sich herum zu versammeln.

So machten auch wir, Stephan und ich, die ‚Scheinheiligen‘, uns nach getaner Arbeit auf den Weg, bestiegen unseren silbern glänzenden Schlitten, der extra von Ford aus Colonia für uns gefertigt wurde, und fuhren hin zu jener Stätte in Oberhausen, an der das diesjährige Treffen stattfinden sollte.

Nicht am Sternenhimmel orientierten wir uns, sondern wir ließen uns von der sanften Stimme aus dieser allwissenden Schatulle leiten, die uns an unser Ziel führen sollte.

Dort angekommen, öffnete sich die Pforte des himmlischen Paradieses und wir werden von zwei Wesen aus dem heiligen Team herzlich empfangen, die uns zwei Schlüssel überreichen.

Wir betreten einen Raum, der wie ein überdimensionaler Adventskalender aussieht: überall sind kleine Türen. Auf einer dieser Türen finde ich meinen Namen und meine Nummer. Ich öffne sie gespannt mit dem Schlüssel und was finde ich darin? Ich finde: NICHTS. War ich etwa nicht brav genug?

Wie war das? Von kleinen Sünden kann man sich rein waschen.

Dann erstmal nackig machen und unter die Dusche, denn, – wie soll ich es sagen, – so eine Weihnachtsfrau ist ganz schön dreckig nach getaner Arbeit, – (wenn sie so die Kamine runter und wieder rauf geklettert ist)…

Nach der Vorreinigung bin ich bereit für das Himmelreich.

Ich trete ein durch die Tür – doch was ist das? Heiße Luft strömt mir entgegen, hüllt mich ein, überwältigt mich, ich lasse mich auf mein Handtuch fallen. Habe ich mich in der Tür geirrt? Bin ich in der Vorhölle gelandet? Womit habe ich das bloß verdient?

Ich bin nicht allein. Im Halbdunkel erkenne ich fünf nackte männliche Wesen, einige kommen mir bekannt vor, andere nicht. Leises Stöhnen, Schweißperlen laufen an ihrer Haut herunter. Sie scheinen schon länger hier zu sein. Plötzlich wird es stockdunkel. 3 grüne Lichter leuchten auf, darunter steht ein Text. Dies ist der Moment der Wahrheit! Ich habe das Gefühl, mich für eines dieser Lichter entscheiden zu müssen – schwierig, denn ich habe keine Brille auf. Wähle ich das linke, oder besser das rechte? oder doch das mittlere Licht. Ist es die Entscheidung über meine Zukunft in der Hölle, der Vorhölle oder dem Himmelreich?

Ich wähle den linken Schalter. Der ganze Raum wird in rotes dämmriges Licht gehüllt. Mit einem knarzenden Geräusch setzt sich ein riesiges Rad in Bewegung, dreht sich ächzend um die eigene Achse.

Das Rad des Lebens? Ein Wasserschaufelrad.

Das stetige Plätschern von Wasser bringt mich in eine leichte Trance. Aus dem Wasser entsteigt ein betörender Duft nach Lemon Gras. Er hüllt mich ein, kriecht in meine Lunge…

Raus hier. Ich stolpere zur Tür, dann die Treppe rauf und an die frische Luft. Die ist eiskalt und eine Windböe pustet mich durch. Schnell wieder hinein und unter die warme Dusche. Und dann lege ich mich in den warmen Pool, atme tief ein und wenig aus und lasse mich vom Wasser tragen. Entspannend. So könnte ich endlos in der Schwerelosigkeit surfen…

Aber es sind noch weitere Türen zu öffnen.

Vor einem großen Spiegel bemale ich meine Augen in schillernden Farben, schmücke meine Ohrläppchen mit überdimensional großen Schneeflocken und ziehe meine weiße pelzbesetzte, von Silbersternchen funkelnde Nikoläusinnenmütze wieder auf. Ansonsten bleibe ich nackt, bis auf meine Schuhe, mit denen ich so gerne tanze.

Denn, so die Devise: Nikoläuse kommen nackt.

Ich öffne eine weitere Tür. Hier bin ich angekommen, wo ich immer hinwollte.

Der Raum ist von Abertausenden von Lichtstrahlen erhellt. Dort, wo sie auf etwas treffen bilden sich grüne und rote Pünktchen: Sie huschen kreuz und quer durcheinander, zufälliges Chaos und doch mit System: sie treffen sich und bilden kleine geometrische Muster beleuchten sekundenlang Wände, Gegenstände und Lebewesen. Die Muster verwandeln sich blitzschnell in andere Formen, dann wiederum verharren sie am selben Ort, um sich, Sekunden später wieder im Chaos zu vermischen. Alles scheint in Bewegung zu sein, in Rhythmus und Einklang, denn Musik erfüllt den Raum. Laute Musik. Sehr laut…

Eine Gestalt wie aus einem Rubensgemälde entflohen, thront hinter einem kleinen Pult – das muss der himmlische Vater persönlich sein – denn er ist der Herrscher über den Klang. Und über die Stille, die plötzlich entsteht. Alle Augen sind auf ihn gerichtet als er das Wort erhebt um mit seiner Ansprache den Abend einzuleiten und das Buffet zu eröffnen.

Kein Nektar und kein Ambrosia. Aber dafür gibt’s Pizza in allen Varianten und Salate. Und Getränke, soviel das Herz begehrt. Und lustige Gespräche mit den anderen himmlischen Wesen, Bekannten und Unbekannten, die sich hier versammelt haben. Wunderschön sehen sie aus mit ihren Nikolausmützen in weinrot, ihrem Glitzerschmuck am Körper, kleinen gemalten Kunstwerken auf nackter Haut oder in einen Hauch von transparenten Stoffen eingehüllt-enthüllt.

Nach dem Essen gibt es wieder diese spezielle Musik, für jeden Geschmack ist etwas zum Tanzen dabei. Denn wir lieben diese Vielfalt. Auch sonst gestaltet sich der Abend sehr abwechslungsreich:

Ein kleines Theaterstück das eine für Männer (und Nikoläuse) ultimative Frage zur Sprache bringt und nun ein für alle Mal klärt mit dem Titel: „Soll ich mir den Sack rasieren?“ trägt besonders bei den Frauen dazu bei, sich köstlich zu amüsieren. Nun, wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Die anschließende Tombola sorgt für Spannung, denn gewinnen möchten wir alle, doch es gibt nur fünf Auserwählte, und einer der Preise, neben edel bedruckten Handtüchern und Kaffeetassen ist eine Freikarte für himmlische Freuden bei der nächsten ONP. Die glücklichen Gewinner strahlen.

Dann werde auch ich aufgerufen. Nicht von einer Stimme, sondern von einem ganz bestimmten Rhythmus, der von der Tanzfläche herüberschallt und mich wie magisch dorthin zieht. Er verführt mich, mich so zu bewegen, wie ich es sonst nicht tue, die Augen halb zu schließen, tief zu atmen und mich in den Sounds zu verlieren. Ein Gong erschallt, seine Klangwellen wabern durch mich hindurch, bringen meinen Körper zum Schwingen. Töne, wie von Glocken erzeugt, himmlisch diabolisch. „Hells Bells“ von AC/DC ertönt da. Da ist diese männliche Stimme, die durch mich hindurchschreit ebenso wie die Gitarre, das Schlagzeug und der Bass. Kleine schnelle Schritte, meine Fersen stampfen rhythmisch auf dem Boden, der Körper dreht und wendet sich, die Arme wirbeln durch die Luft, die Lichtstrahlen huschen über mich hinweg, blitzen hell auf meinen weiß lackierten Fingernägeln auf und verschwinden im Raum durch den ich tanze. Wie schwerelos fühle ich mich für Sekunden wenn meine langen hellen Haare wild von einer Seite zur anderen fliegen und sich alles um mich herum zu drehen beginnt… „Hells Bells“.

Stille. Innehalten. Die Füße fest im Boden verankern, atmen und die Welt vorbeifliegen lassen, in meinen Wurzeln stehen, in mir selbst und in dem, was mich umgibt.

Tatsächlich, ich bin in meinem Himmel angekommen…

© Anne aus Köln

Nacktparty Nikolaus 3497-200